radmarathon.ch - 600 Km mit dem Rad
Der Schweizer Radmarathon 2009 war mit unterschiedlichen Distanzen ausgeschrieben. Die längste Distanz über 720km war RAAM-Qualifikation und UMCA-Weltcupevent und zugleich die Ultracycling Europameisterschaft.
Die vier Allure Libre Randonneure entschieden sich aber für eine Teilnahme in der Randonneur-Kategorie über 600Km.
Dies ist der Bericht...
(Nun auch mit Ns Geschichte!)
Ankunft und Vorbereitung
R:
Ankunft in Wiedlisbach am Donnerstag Nachmittag. Wir wollten früh dort sein, um uns auf das Abenteuer einzustimmen. Und so waren M und ich dann auch bei den Ersten, die sich dort installiert hatten. Nach und nach trudelten die Titanen der Strasse ein, aus aller Herren Länder, mit Porsche Cayennes, aus denen Carbonräder geladen wurden, mit Familien
und Wohnmobilen, mit professionell aufgemachten Begleitfahrzeugen, vor denen Massagebänke aufgebaut wurden. Aber auch klassische PBP-Randonneure ohne Hi-Tech-Velos fanden den Weg zum Startgelände. Es gab ohnehin viel zu schauen und beobachten an diesem Tag: Sehnige, spindeldürre Athleten, solche mit Bierbäuchlein, einen Radfahrer mit
Radfahrer-Tattoo, ein paar Mannen mit klassischem Gümmeler-Tan, der den gebräunten vom käsigen Teil der Haut durch eine haarscharf gezeichnete Linie abtrennte. Hier gilt die Faustregel, 500km Training gleich ein Bräunungs-Ton.
Wir nutzten die Gunst der frühen Stunde und waren als erste zum freiwilligen Studien-Untersuch in Dr. Knechtles Kabinett. Ich wusste bis dahin nicht, dass es ein Messgerät für Haut-/Fettfalten gibt. Der abdominal (am Bauch) gemessene Wert von 19,2mm beunruhigte mich nachhaltig und erste Zweifel kamen auf, ob ich die Herausforderung meistern
würde.
Anschliessend hiess es Nummern fassen. Insgeheim hoffte ich auf die 666, aber ich war dann auch mit der 146 ganz zufrieden. Ein bisschen neidisch schaute ich auf die nicht schönen, aber dennoch gut gefertigten Trikots und Hosen, die meine Mitstreiter entgegen nahmen. Ich hatte damals die Checkbox „Kein Trikot und keine Hosen“ angekreuzt bei der
Online-Anmeldung. „Ein Fehler“ dachte ich mir. Wie gesagt, die Dinger sind ziemlich hässlich, aber man kann damit beim nächsten Radmarathon blöffen und zeigen, dass man kein Greenhorn mehr ist. Was übrigens ein Grossteil der Teilnehmenden Gladiatoren auch machte: PBP- und Radmarathon-Jerseys en masse. (Anm.: Hab mir deshalb Jersey und Hose nachträglich noch käuflich erworben).
Pasta-Party war das Motto der Abendveranstaltung. Die Party bestand v.a. darin, auf die Pasta zu warten. Ein einziger grosser Topf zum Spaghetti kochen war dann doch ein bisschen knapp bemessen für die vielen hungrigen Bärenmäuler, aber die überaus netten Damen hinter dem Tresen taten ihr Bestes. Zur Überbrückung tranken wir ein grosses
Bier.
Nach dem Carbon-Loading gab’s Kaffee und Willisauerringli. Meine 3 Mitstreiter M, V und N machten dann noch einen auf Hopfen-Loading mittels einer zweiten Flasche Bier, ich zog mich zurück ins ungemütliche Nachtlager in meinem Van. Die Nacht war schrecklich und ich war froh, klingelte der Wecker pünktlich um 5 Uhr früh – eine Stunde vor Beginn des
grossen Abenteuers.
M:
Soeben waren R und ich in Wiedlisbach angekommen. Wir stolperten etwas übers Gelände und verschafften uns einen ersten Überblick. Es waren noch nicht allzu viele Teilnehmer vor Ort. Erst nach und nach trudelten diese ein.
Wir beschlossen uns erstmal von Dr. Knechtle vermessen zu lassen. Dieser sammelte am Radmarathon Daten für seine Studie und wir stellten uns als Probanden zur Verfügung.
Nachdem wir die Startnummern gefasst hatten trudelten dann auch bald mal N aus Bern und V aus Zürich ein. Somit waren wir vollständig und die Pasta-Party konnte beginnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die netten Damen, welche für die Bewirtung zuständig waren. Sie sorgten dafür, dass auch wir zu unserer Portion kamen. Nach dem zweiten Bier ging
es dann ab in den Schlafsack.
V:
Etwas später als geplant per Zug und Velo, mit Sack und Pack hab auch ich den Weg nach Wangen gefunden. Unsere Runde war somit komplett und meinereiner etwas aufgedreht. Die Spaghettis waren oké, die Sosse eher nicht doch reichte es für eine zweite Portion und zwei Biere. Dann gings mit N ab ins Zelt.
N:
Hier ist er, der 2. Juli 2009. Fett angestrichen in meiner Agenda seit einem bierlastigen Abend an der zürcherischen Josefstrasse mit Mitstreiter V. Paris-Brest-Paris sei super, wurde geschwärmt. Meine Vorfreude ist gross. Für die bevorstehende Radreise habe ich einige Feierabendtürchen absolviert, Topos und Karten studiert, mich auf die staubig
klebrigen Wolldecken in Santa Cruz gefreut und heute Abend sogar auf einen Budenanlass verzichtet. Es sollte alles anders kommen.
Die Einstimmung zur Reise verlief gemütlich. Nach dem „tächtle mächtle von M und R beim knächtle“ die beiden begrüssen, die ich das letzte Mal wohl so vor sieben Jahren gesehen habe, Nummer inkl. dem leider vorbestellten und ultrahässlichen TCS-Dress abholen, Zeltli aufstellen, usw. Das Klubhaus des ortansässigen Fussballvereins verströmte den
Charme einer spröden Plastikmöbelausstellung. Die Pastas waren dann aber ganz in Ordnung. Nach ner Runde Café und Feierabendbier ging’s ab ins Zelt, das nur unweit des Wangener Penaltypunkts und eingeklemmt zwischen Begleitfahrzeugen sein Dasein fristete. V sei dank.

Morgendliche Hektik kurz vor dem Start: Siebenundzwanziggänger vs. Singlevits
Der Start
R:
Verschlafen schleppte ich mich zu den sanitären Anlagen, wo schon viel Hektik herrschte und eine ganze nervös mit dem Fuss wippende Meute Gümmeler fertig frisiert und angezogen nur darauf wartete, bis es 6 Uhr schlug. Es wurde ein letztes Mal gepümpelt, kontrolliert, Schrauben nachgezogen, Equipment gecheckt, Bidons mit diesem schrecklich
übersüssten Verofit gefüllt. Um 06.04h fuhren wir dann los.
M:
Tok, Tok, Tok!
Irgendwas klopfte an das Fenster meines Autos.
Scheisse! Hatte ich den Wecker nicht gehört und den Marathon verpennt? Als ich verschlafen aus dem Kofferraum kroch, sah ich überall die schon in ihre Trikots gekleideten Marathonteilnehmer. Fleissig pumpten sie ihre Räder und schoben sich noch die letzte Banane in den Mund.
Jetzt hiess es Gas geben, schliesslich wollten wir um 6.00 Uhr mit den ersten starten. Reifen pumpen. Danach schnell ins Clubhaus, wo das Frühstücksbuffet stand, und etwas futtern. Irgendwie kam mir die Stimmung vor wie jeweils in den SAC-Hütten am Morgen. Jeder will nur etwas essen und so schnell als möglich los. Einfach weg! Es soll endlich
losgehen!
So ging es auch mir.
Also noch Bidons füllen, die Uhr zeigte schon kurz nach sechs, Zeit stempeln und los!
V:
Irgendwie hab ich nicht so toll geschlafen, da gabs einige Autos und Lastwagen und auch die Züge rollten schwer beladen und meine Ohrenstöpsel waren irgendwo aber nicht in meinen Ohren. Endlich gings dann nach Zmorge und Pumpen los in Richtung Rundtour.
N:
Morgenstund hat Gold im Mund. So beschlossen wir, so früh wie möglich auf unsere Räder zu steigen. Das Morgenessen gestaltete sich mässig gemütlich. Die Cafédüfte wurden leider durch dick aufgetragenen Dul-X-Schichten am sich Ausbreiten gehindert. Zudem lag eine gewisse Nervosität in der Luft, welche das tiefe Durchatmen nicht gerade vereinfachte.
Die ganze Situation erinnerte mich an die Viertelstunde vor den Fussballspielen zu meiner Zeit als D-Junior beim FC Grabs.
Die Räder stehen bereit. V versucht die Reise mit einem Gang zu bewältigen. Ich ignoriere die technischen Entwicklungen der vergangenen Dekaden nicht und vertraue auf drei Kränze vorne und neun hinten. Auch die Herren M und R scheinen dem Wesen der Gangschaltung nicht abtrünnig zu sein. Drei - zwei - eins - bätsch wie am Fabrikeingang - und los
geht’s!

Adrenalin pur: Sandwiches packen und Startzeit erfassen.
1. Etappe: Wangen – Koblenz
R:
Ein schöner, klarer und frischer Morgen. Ich für meinen Teil kannte die Teilstrecke von Wangen bis Sissach bereits und wusste, was uns in den ersten anderthalb Stunden erwartete. Wir starteten gemütlich um warm zu werden in den noch steifen Gelenken. Hinter Balsthal begann dann die erste Steigung Richtung Kilchzimmersattel. Erst gleichmässig und
zum Schluss der Sauhund, bei dem ich mir schon vorgenommen hatte zu stossen, um so früh keine unnötige Energie zu verpuffen. Als wir dann in die steile Rampe einfuhren fühlten sich die Beine gut an, der Atemapparat lief hervorragend und ich sah realistische Chancen, den Aufstieg ohne Pause oder Absteigen zu meistern. Es gab nur einen Faktor, der
meinen Erfolg ernsthaft gefährdete: Der strenge Schweissgeruch eines Mitstreiters 10 Meter vor mir, dessen Fahrtwind ich immer wieder kreuzen musste. Ich schaltete auf Mundatmung. V auf dem Singlespeed war schon kurz nach Balsthal davongetrampelt und oben auf dem Sattel waren wir wieder gleichauf. Respekt dem alten Haudegen.
Den Rest der Etappe erledigten wir in einem schnellen Peloton von ca. 10 Leuten. Eine neue Erfahrung für mich, man fühlte sich irgendwie so.... profimässig mit den Startnummern am Hintern, dem Windschatten und der hohen Pace. Entsprechend kamen wir dann ca. 15min vor der Öffnung des Checkpoints in Koblenz an. Das ältere Ehepaar, welches am
Checkpoint die Nummern notierte sorgte für ein Schmunzeln, während Mutti die Fahrer in eine Liste eintrug, hielt Papi den Kontroll-Chip auf das Pieps-Gerät. Den Kontroll-Piepser hörte er jedenfalls nie und musste sich bei Mutti jeweils versichern, dass es auch wirklich piepste.
Die Bouillon war eine Wohltat, die Sandwiches lampig, das Verofit war diesmal in einer besseren Dosis angerührt.
M:
Meine grösste Angst zu diesem Zeitpunkt war, dass wir zu schnell starten würden. Nichts desto trotz war jetzt der Zeitpunkt das erste Mal die Zügel mal etwas locker zu lassen. Und so fuhren wir im Verband aus Wiedlisbach raus in Richtung Balsthal. Zusammen mit V führte ich das Gruppetto abwechselnd bis kurz vor Balsthal an. Ich war gespannt wie
wir uns organisieren würden. V würde mit seinem Singlespeeder zwangsläufig in den Steigungen voraus fahren, bis er die nötige Trittfrequenz nicht mehr halten konnte, ab dann würde er das Rad schieben. Allle anderen aus
unserer Gruppe würden etwas langsamer von hinten heranfahren. Im Idealfall würden wir uns auf den jeweiligen Scheitelpunkten wieder treffen. Soweit die Theorie.
Kurz vor Balsthal bildete ich mit R eine Gruppe und N preschte mit V davon. R und ich fanden schnell unsern Tritt und fuhren in einer Gruppe mit einigen anderen Randonneuren mit. Dieses Teilstück empfand ich als sehr angenehm und schön zu fahren.
Irgendwann stieg die Strasse dann stetig an. R war diese Strecke im Frühling ja schon mal mit RockRacer gefahren und ich konnte mich auf seine Hinweise („Jetzt wird’s dann gleich steiler. Wobei dies hier kam mir das letzte Mal auch steiler vor!“ ) verlassen. So wusste ich immer was mich erwartete. ;)
Auf dem Klichzimmerattel trafen wir alle gleichzeitig ein. Soweit sogut.
Danach kam die Abfahrt. In Gruppen fuhren wir Richtung Koblenz. Gegen Schluss fuhren V und ich voraus, während N und R sich etwas hinter uns einer Gruppe angeschlossen hatten.
Gerade in diesen Gruppen war das Fahren sehr angenehm. Wobei ich etwas erstaunt war, dass einige Fahrer jeden Schachtdeckel anzeigten. Aber lieber zuviel als zuwenig.
In Koblenz mussten wir erstmal warten, da wir vor der Öffnung des Checkpoints angekommen waren.
Während ich meine Bouillon schlürfte beobachtete ich das ältere Ehepaar, welches mich irgendwie an meine Grosseltern erinnerte.
Punkt 10.00Uhr konnten wir unsere Zeit stempeln.
V:
Mit Müesli im Bauch und viel viel Power in den Beinen gings bald nach dem Start bergauf. Längere Zeit eine angenehme Steigung mit dem Singlespeed, die ich gut treten konnte, die Beine waren ja auch noch frisch und giggerig auf Beanspruchung. Weiter oben hiess es dann für mich, wer sein Rad liebt der schiebt, zumindest bis zum Dach der Tour.
Nachher gings bergab und flach bis zum 1. Checkpoint.
N:
Was für ein Morgen. Kühle, frisch Luft strömt zur Balsthaler Klus heraus. Bald verabschieden wir uns vom eher langweiligen Mittelland, drehen in den Jura ein und erklimmen das Dach der Reise, den Kilchzimmersattel. Der angenehmen Steigung zu Beginn folgt ein giftiger Schlussspurt am Ende des Anstiegs. Die Beine spielen ganz ordentlich mit und es
macht Spass, mit wildfremdem Volk durch unbekanntes Terrain zu trampeln. Im TdF-Stil rollt das Feld Richtung Koblenz. Als einsamer Gümmeler aus dem oberen Emmental bin ich mir diese zügige Rollerei nicht gewohnt. Es ist schon eindrücklich, wie schnell wir in der Gruppe vorwärts kommen. Es braucht aber ein gewisses Vertrauen in die unbekannten
Vordermannen und eine Ladung Mut, um den Windschatten optimal auszunutzen, sprich zwanzig Zentimeter Luft zwischen ihren Hinterrad und meinem Vorderrad bei nem 45er bergab. Als ging gut. Bis jetzt.
PS: Wer zu früh und sportlich los fährt, den bestraft den Ehrenpräsident der Fahrradgemeinschaft Koblenz: „Vor den Zehnen wird ned gestämpelt. Hä, was, wie, wohin weitere 6'000 kilometer?“. Feinen Café und anständigen Sirup, welcher noch heute meinen ursprünglich weissen, in Wangen zugekauften Bidon gelb verklebt, konnten seine Helferinnen in der
Zwischenzeit aber anbieten.

Gute Beine und ein junfräulicher Morgen.
2. Etappe: Koblenz – Ewattingen
R:
Grenzübertritt bei Zurzach. Eine Zeit lang fuhren wir zu sechst, zusammen mit einem Sportsfreund mit Vollcarbon-Triathlonlenker-Velo, dessen Räder ein Leerlauf-Geräusch von gefühlten 85dB von sich gaben – sowas von nervig. Wir liessen ihn dann hinter uns (ich glaube er überholte uns
dann ca. 150km später). Die 30km-Steigung nach Bonndorf war irgendwie hübsch zu Beginn und begann nach der Hälfte zu nerven. Dazu kamen erste Gewitterschauer, die uns von oben bis unten durchnässten. Je näher wir Bonndorf kamen, desto heftiger wurden die Gewitter. Ich zog den Kopf ein und fragte mich, ob ich als Stahlrahmen-Fahrer gegenüber den
Carbon-Radler im Nachteil wäre wenn der Blitz einschlägt. Oben in Bonndorf zogen wir uns dann Regenjacken über, denn die Schauer wurde heftiger und wir kämpften mit Seen auf der Strasse und mit deutschen Autofahrern, die auch bei solchen Strassenbedingungen immer am oberen Limit der erlaubten Geschwindigkeit unterwegs waren. Zum ersten Mal sah ich
einen einsamen Radfahrer, der ein Begleitfahrzeug dabei hatte. Ich wünschte mir in diesem Moment auch, dass mein Mami mit einem trockenen Frotéetuch am Wegesrand auf mich wartet. Als der Regen abnahm, erreichten wir durchnässt und ausgekühlt den Checkpoint Ewattingen. Die Hoffnung auf eine wärmende Bouillon wurde jäh zerstört, es gab bloss lampige
Sandwiches, Schokoriegel und Verofit. Danke an die flotten Jungs vor Ort, die für einen Euro Kaffee ausschenkten.
M:
Kurz nach dem Grenzübertritt bei Zurzach ging es dann abermals aufwärts Richtung Bonndorf. Wir fuhren wieder in einer Gruppe. Ich wurde etwas übermütig, so dass ich der uns entgegen fahrenden Gruppe Harley-Fahrern (Waren das etwa Hells Angels?) zu winkte, welche auch prompt zurück grüssten.
Dann begann der Regen.
Erst ein ganz leichtes (sehr willkommenes) Nieseln. Etwas später wurden die Tropfen immer grösser. Nach 20 Minuten waren meine Schuhe komplett nass und aus Spass wurde Ernst. Begleitet von Regen, Blitz und Donner ging es nach Bonndorf hoch. Oben angekommen kleideten wir uns etwas wetterfester ein. Auf der Abfahrt Richtung Ewattingen machte ich mir
erstmals um Aquaplanning mit Rennradreifen Sorgen. Teilweise stand das Wasser höher als die Felge. Wir fuhren in eine weisse Wand aus Wasser. Seltsamerweise tat dies meiner Laune zu diesem Zeitpunkt keinen Abbruch. Machte irgendwie sogar Spass. Nass waren wir ja eh schon.
Kaum am Checkpoint angekommen, begann ich zu frieren. Als wir die Verpflegungshalle betraten, beobachtete ich einen Teilnehmer, wie er am ganzen Körper zitternd versuchte sich Spaghetti reinzuschaufeln. Allerdings nicht sehr erfolgreich.
Fünf Minuten später schlotterten auch wir. Der Kaffee (Danke R!) und das belegte Brot (mit richtigem Brot, nicht dieses geschäumte Zeugs) brachte etwas Abhilfe. Also wieder raus aufs Rad und weiter.
V:
Der lange Aufstieg nach Bonndorf war wiederum von der Steigung sehr angenehm doch leider beganns dann zu regnen und sogar zu schütten, was ich doch sehr verfrüht und unangenehm empfand. Oben hatte ich kühl bis kalt und darum montierte ich meine Bein- und Armlinge. Schon gings weiter im Regen und mit der ersten Motivationskrise, na ja so völlig
durchnässt macht velölen halt nicht wirklich Spass. Beim 2.Checkpoint war ich nicht der einzige, der fror, da gabs auch ein paar andere die zitterten und zum Glück warmen Kaffee.
N:
In sportlichem Tempo radelten wir weiter Richtung Bonndorf. Angenehme Steigung, schöner Bach und Schatten und ein sehniger Toni Rominger Verschnitt, der mich, im Nachhinein betrachtet, zu übermässiger Tempobolzerei verführt hat. Sauwetter erwartete uns dann im oberen Schwarzwald. Blitz und Donner begleiteten uns durch Pfützen pflügend Richtung
Klubhaus des Sportvereins Ewattingen. Leider machen sich in dieser trostlosen Truppenunterkunft bereits die 150 km in meinem linken Knie bemerkbar. Ich hoffte, dass ne kleine Stärkung, ein Cafè, ne Schicht Traumalix Dolo und ein trockenes Unterhemd den aufkommenden Schmerz vernichten würden. Gedacht, nicht wirklich getan. Scheisse!
3. Etappe: Ewattingen – Ramsen
R:
Um nicht weiter auszukühlen gings alsbald wieder weiter. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder warm wurden. Spätestens aber bei der steilsten Rampe auf der ganzen Tour. Irgendwo zwischen 15 und 20% lag die relativ kurze Steigung. Die Dame und der Herr im Partnerlook, welche bis dahin auf gleicher Höhe mit uns fuhren, zogen davon. Wäre ich auch,
hätte ich solche Waden. Wir entschieden uns für ein kurzes Schieben was uns Kraft sparte und ca. 5 Minuten Zeitverlust kostete. Den machten wir dann wieder wett mit einer flotten Fahrt auf eher langweiligen deutschen Schnellstrassen in Richtung Schweizer Grenze. Ich stellte erstmals eine gewisse Müdigkeit fest. V auf dem Singlespeed zog bei einer
Steigung alleine davon und ward nicht mehr gesehen bis zum nächsten Checkpoint. Der Weg dorthin entpuppte sich als nicht enden wollend, und als wir ankamen hörte ich M kurz fluchen und N bekundete ernsthafte Mühe mit seinem Knie. Leichter Nieselregen begleitete uns auf grossen Teilen der Etappe – ideale Temperaturen. Richtung Ramsen wurde es
wieder schwüler und der heisse Asphalt am Checkpoint verriet uns, dass es dort noch nicht geregnet hatte. Ideal, um die nassen Socken zu trocknen. Am Checkpoint gab’s lampige Sandwiches und Verofit. Wo war die verdammte Bouillon?
M:
Dann kam ein Stück, von welchem ich schon gelesen hatte. Das einzig Gute daran war, dass es sehr kurz war. Ich weiss nicht exakt wie steil das Ding war, aber wir schoben unsere Räder alle hoch. Dabei wurden wir von einem Pärchen überholt, welches die Steigung hochstrampelte. Ich glaube dabei handelte es sich um das Ehepaar Aebersold, welches im
späteren Artikel der Solothurner Zeitung (http://www.radmarathon.ch/archiv09/sz_aeber.pdf) erwähnt wird. Die beiden sahen wir erst in Heiligkreuz wieder.
Danach wurde es sehr langweilig um nicht zu sagen mühsam. Auf irgendwelchen Schnellstrassen gings übers Land. Mit der Zeit begann mich das ganze erstmals zu Nerven. Ich fragte mich warum ich mir so was antun musste. Kurzum ich hatte eine Motivationskrise welche sich bis zum Checkpoint in Ramsen in stark erhöhtem Tempo und lautstarkem Fluchen
äusserte. Ich wollte diese verf***te Etappe nur noch so schnell als möglich zu enden fahren.
V:
Ein klein wenig aufgewärmt gings bergab und dann in die deutlich herbste sprich steilste Rampe der Tour hinein. Schieben. Über ein paar Hügel gings weiter in Richtung Ramsen, welches ich alleine und mit einem immer schwammiger werdenden Reifen erreichte. Da wechselte ich den Schlauch und war froh, dass es trocken war und warm.
N:
Die Feuchtigkeit ausrollend erwartet uns ne Rampe, die zum Absteigen animierte. Nur ganz fesche Mädels rollen da hoch. Runter vom Blumberg, vorbei am Blumenfeld und verschiedenen Dörflingen bin ich froh, endlich in Ramsen anzukommen. Schöne schwarzwälder Landschaft, velofahrerisch eher langweilig, ne entsprechende Torte wär mir lieber gewesen. Das
Zvieri-Buffet hält sich ennet der Grenze sehr in Grenzen. Auch lässt das sanitäterische Angebot eher zu wünschen übrig. Tape existiert nicht. So begnüge ich mich halt einmal mehr mit Appenzellerbibeli und Bananen. Singlemaster V montiert sich nen luftdichten Schlauch und schenkt mir seine Kniebandage, welche die nächsten sieben Kilometer ringer
macht.

Es gibt Länder, da baut man die Strassen gerade den Berg hoch.
4. Etappe: Ramsen – Frasnacht
R:
Mit einer neuen dicken Schicht Soglio-Sitzcrème an den neuralgischen Stellen, mit halbtrockenen Socken und mit steigender Temperatur ging’s weiter Richtung Untersee und Bodensee. Bei Kreuzlingen kamen wir bei drückender Sonne in den Freitags-Feierabendverkehr. Ich fühlte mich wieder erholt und topfit und bildete mir ein, mich als
Stadt-Zürich-Cyklist im urbanen Verkehrsgewimmel schneller fortbewegen zu können als der Rest unserer Gruppe. Ich hängte mich an zwei Typen, die an uns vorbeizogen aber doch nicht wirklich Abstand gewannen. Ich konnte deren Pace aber dann aber doch nicht halten und radelte für mich bis zum Checkpoint Frasnacht. Unterwegs wurde ich an einem Kreisel
von einem RAAM-Fuzzi übel geschnitten, der – einem Auto und mir den Vortritt nehmend – in den Kreisel stach, so dass das Auto jäh bremsen und ich fluchen musste. Ja du arroganter älterer Herr mit weissem Trikot und zwei Flaschen hinten am Füdli: Leute wie du gehören nicht an solche Events. Geh doch Basejumpen!
Am Checkpoint warteten dann lampige Sandwiches und Verofit auf uns. Und – oh Freude – die einzige Birne auf der ganzen Tour. Ein Genuss.
M:
Etwas erholt und gestärkt gings dann weiter. Alles was jetzt noch kommen würde, kannte ich von Trainingsfahrten mit den Allurelibre-Jungs oder vom Velotüürli mit der Familie.
R machte schon am Anfang Tempo und irgendwann wechselte ich ihn ab. Hier fuhren wir wieder in einer etwas grösseren Gruppe und wir konnten uns die Führungsarbeit etwas aufteilen.
In Kreuzlingen stürzte sich R Velokurier-mässig in den Feierabendverkehr. Ich wählte eine nicht ganz so aggressive Linie und fuhr etwas zurück versetzt. Einige Zeit fuhr ich mit dem Engländer, welcher uns schon auf dem Parkplatz wegen seines Porsche SUVs und seinem Carbon-Renner aufgefallen war. Er hatte sich kurzfristig vom 300er auf den 600er umgemeldet. Zurzeit hielt er das gerade für die dümmste Idee die er je hatte und ich liess in alleine und fuhr
wieder zu den andern Jungs auf. N kämpfte schon hier mit Knieschmerzen, hielt das Tempo aber mit.
In Frasnacht traffen wir Vaccaro Carmelo und seine Kollegen, welche ebenfalls aus unserer Region stammen.
Irgendwie kam langsam ein leises Hochgefühl auf, es ging jetzt ja in unsere Gegend. Und da dies die letzte Etappe für heute sein sollte mobilisierten wir die letzten Reserven.
V:
Bei der letzten Etappe hatte ich mich wohl etwas übernommen, was sich nun rächte. So war ich müde und schleppte mich eher dem Bodensee entlang als dass es Spass machte und ich flitzen konnte. Der R und der M haben aber sehr gute Führungsarbeit gemacht und so konnte ich über längere Distanzen einfach im Zug mitfahren, Dankeschön! In Frasnacht war
mein Tiefpunkt der ganzen Tour, ich war auf dem Hund.
N:
Auf geht’s Richtung Bodensee. Rush hour ums schwäbische Meer, Hektik in und um die städtischen Kreisel und herrlicher Blick Richtung See und das Alpsteingebiet. Viel Führungsarbeit habe ich auf dieser Etappe nicht verrichtet. Ich war froh, konnte ich noch halbwegs mitrollen. Das rechte Knie lief auf Hochtouren, und noch heute habe ich Mühe, den
entsprechenden Oberschenkel in ein Paar Jeans zu stecken. Der Fahrgenuss nahm leider mit jedem Kilometer ab. Endefeuer nach 250 Kilometer? Das kann himmelarschnochmal doch nicht wahr sein! So biss ich weiter und erreichte bald mal das tschuttihüsli im arbonischen. Verofit zum fünften, sandwich, und dehnen, was leider auch nicht mehr viel nützte.
Flotte Mitstreiter aus dem orangen Verfolgungsbus haben mir Tape verpasst, das irgendwie mässig wirkte. Ach, diese Jammerei die ganze Zeit! Tut mir Leid für die radbegeisterten und interessierten Leser unter euch. Aber die Kniegeschichte hat mich doch ordentlich beschäftigt und die Freude an der Veloreise leider barentig getrübt.

Rezente Füsse nach reichlich Regen und 12h im Schuh.
5. Etappe: Frasnacht – Heiligkreuz
R:
Wir starteten in einen lauen Sommerabend Richtung unserer Heimat. Eine Roller-Etappe mit wenig Spektakulärem, das uns erwartete. Ein paar Kinder feuerten uns, ein Papi rief, ob wir am Gigathlon mitmachten. „Sicher nicht“ dachte ich, „ wir haben eine höhere Mission“. Ich führte unsere 4er Gruppe über eine Stunde lang an. Ab Kriessern plagten mich
dann Verdauungs-Probleme und es krampfte. Ich hoffte auf eine Dorfbeiz am Wegesrand, aber leider war da nix. Den kurzen Gedanken, als politisches Statement mein Geschäft bei Hutter Baumaschinen im Eingangsbereich zu tätigen verwarf ich schnell, als es plötzlich drigend wurde und ich mich in eine Hecke am Waldrand zurückzog. Glücklicherweise war
alles wieder beim Besten, als wir den Hirschsprung erreichten. Kurz danach aber begann ein leichtes Flimmern vor meinen Augen. Ich schenkte dem keine weitere Beachtung, merkte aber, wie sich meine Batterien mit jedem Kilometer mehr leerten. Unterzuckert! In Haag war das Flimmern noch immer nicht weg, meine Kraft reichte nur noch für schlappe
17km/h. Schneller ging nicht. M und V zogen davon in Richtung Buchs, N kämpfte mit dem Knie und ich damit, nicht vom Rad zu kippen. Ich spürte, dass es jeden Moment passieren konnte. Ich stieg ab, musste mich an irgendwas festhalten. Dann drückte ich 4 Täfelchen Traubenzucker rein, kühlte mir den Kopf mit lauwarmem Wasser aus dem Bidon. Wie
benommen schleppte ich mich weiter, denn der nächste Fixpunkt war bei M zu Hause in Rans, wo uns Cola und Chips erwarteten. Irgendwie schaffte ich diese letzten 6km und verpasste dabei die extra organisierte Anfeuerungs-Meute von 2 Leuten, da ich hintenrum und weg von der Hauptstrasse fuhr. Nach einer guten halben Stunde Pause fühlte ich mich
wieder fitter und parat für eine Weiterfahrt. N jedoch gab an diesem Punkt auf, da die Schmerzen im Knie derart stark waren, dass eine Weiterfahrt keinen Sinn mehr machte. Wir fuhren also zu dritt die verbleibenden 25km zum Nachtlager in Santa Cruz. Der Plan war Carbon laden, pennen und um 2 Uhr früh weiterfahren.
M:
Die erste Stunde hing ich meinen Gedanken nach und war irgendwie gar nicht richtig bei der Sache. Das musste mit der Müdigkeit zu tun haben.
Wir fuhren durchs Rheintal aufwärts und aus den Vorgärten drang der Geruch von Grilladen an meine Nase.
Warum konnten wir nicht einfach mit einem Bierchen vor dem Grill sitzen? Es war zum verrückt werden. Alle Gedanken drehten sich nur ums Essen. War nicht hier in der Gegend der Bratwurststand wo ich mir im Frühling auf einer Trainingsfahrt mit R eine Bratwurst gegönnt hatte? Würde der Typ vielleicht noch eine Wurst für uns haben? Als ich diesen
Gedanken nach hing, sah ich links von uns ein Wegweiser von radmarahton, und der zeigte nicht in unsere Fahrtrichtung. Stopp und zurück!
Wieder auf der richtigen Route wurde mir auf einmal bewusst wie lange R schon wieder geführt hatte. Also übernahm ich. Weiter gings die Strecke Richtung Hirschensprung. An irgendeiner Waldlichtung standen wiedermal die Jungs, welche V in Ramsen ihre Velopumpe geliehen hatten, und warteten auf ihren Teilnehmer. Ich grüsste wie immer und sie winkten
uns zurück. Wirklich lustige Kerlis! Wir sollten uns noch einige Male zuwinken.
Irgendwann auf Höhe Oberriet fiel uns auf, dass R nicht mehr in der Gruppe mit fuhr. Er klagte schon vorher über Verdauungsprobleme, wahrscheinlich hat er sich in die Büsche geschlagen.
Nachdem er wieder zu uns aufschloss, gings weiter über den Hirschensprung.
Ab Salez lief es mir immer besser. Ich hatte richtig gute Beine, und führte. Der Bursche mit dem lauten Freilauf, welcher eigentlich Gian Andri Robbi (720er Ranndoneur) hiess war vor mir in einer Gruppe und ich wollte zu ihnen aufschliessen. Auf der Höhe Bahnübergang Haag bemerkte ich aber, dass V der einzige war, der mir folgte. Wir fuhren aber
weiter unser Tempo.
Da ich per SMS informiert wurde, dass in Buchs zwei Fans (vielen Dank an die Schlegels! Ihr habt nicht nur uns eine Riesenfreude bereitet) warteten, freute ich mich schon mal ein paar Worte mit Nicht-Teilnehmern wechseln zu können. Nach einer kurzen Pause gings dann weiter nach Rans.
V und ich wunderten uns schon wo R und N blieben. Als sie dann ankamen bewahrheitete sich eine Vermutung. Ns Knie machte nicht mehr mit und zwang ihn zur Aufgabe.
Aber auch R erging es nicht allzu gut. Seine Schilderungen tönen stark nach Hungerrast und Unterzuckerung. Der Hammermann lässt grüssen.
Mit Cola und Chips pimptem wir uns soweit, um noch nach Heilig Kreuz zu kommen. Dort gab es dann noch die beste Pasta der ganzen Tour und danach ging es ab in die Heia!
V:
Anstatt das gruusige Verofit zu trinken, habe ich beschlossen Dextroenergen zu fressen und dieses mit Wasser zu verdünnen. Das zeigte seine Wirkung und so kamen meine Kräfte zurück, auch je mehr ich in Richtung Heimat fuhr. Nach dem Hirschensprung bis Rans hatte ich einen richtigen Schub und die Motivation und damit auch der Spass oder wie man so
schön sagt der Flow waren wieder da! In Rans gabs feine Paprikachips und Cola, Herzlichen Dank der Carmen! Leider wollte dem N sein Knie nicht mehr mitmachen und so zog er es vor alleine in einem Bett bei Mama und Papa zu schlafen. Wir anderen drei pedalten noch nach Santa Cruz, assen
die Gratisspaghettis (auch diejenigen von N) und legten uns dann in den Massenschlag zu den anderen Schnarchis.
N:
Auf in den Kampf Richtung Heimat der Rondonneure M, R, V und N! Klickpedale haben einen angenehmen Vorteil bei Kniedefekten. Falls Belastung von oben nicht mehr funktioniert, lässt es sich damit ganz praktisch ziehen. Gesagt, getan, an diesem herrlichen Sommerabend. So zogen wir zu Beginn gemeinsam, gegen Ende eher einsam Richtung Süden. Dank an
R, der kurz vor Ms zuhause ein Hüngerli verspürte und sich fast über Thomas Toyotas ausliess. Ja, wenn einem schon der Hirschensprung Kopfschmerzen bereitet, wie würde es dann nach dem Walensee weitergehen? Solches Zeug frag ich mich seit einigen Stunden. Zum Glück wohnt M in Rans, und nicht in Sargans… Salben, beten, fluchen und crèmen… Nix is!
Habe fertig! 330 km genügen. Schade um die schöne Radwanderung, die ich verdammt gern fertiggefahren wäre. Wehmütig knabbere ich an den Chips umher und schütte Cocacola in mich hinein. Carmen, vielen Dank fürs Apéro! Das Nachtessen in Mels liess ich dann sausen, sehr zur Freude von V. Da er seit Stunden mit einem Gang unterwegs ist, freut er sich
bestimmt an den zwei Gängen im Speisesaal. Ich orderte das Vatertaxi und liess mich gen Grabs chauffieren. Wäre ich ein Ross gewesen, so hätte man mich in Oettlis Pferdemetzgerei wohl einschläfern lassen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil interessanterweise auch das wordsche Korrekturprogramm für „Grabs“ das Wort „Grab“ vorschlägt. Glück
gehabt.

Der ungarische RAAM-Fahrer (links vom linken Bildrand) ass diesen Teller
in nur fünf grossen Bissen. Der Herr auf dem Foto ist eher der Typ "Geniesser".
6. Etappe: Heiligkreuz - Pfäffikon
R:
Um 2.15h sassen wir wieder in den Sätteln, nach unruhigen 2 Stunden im Massenlager und einem Kaffee vor der Abfahrt. Neben V legte sich ein menschlicher Staubsauger, was ihn grösstenteils vom Schlafen abhielt. Nichtsdestotrotz haben die zwei Stunden Beine hochlagern gut getan und wir starteten motiviert und mit Lampen und Leuchtweste bewaffnet in
die dunkle Nacht. Als „Locals“ hatten wir keine Mühe, die Einfahrt zum Veloweg entlang des Walensees zu finden und bei Weesen auch wieder raus auf die reguläre Strecke. Wir waren uns einig, dass wir den Kerenzer getrost auslassen konnten. Eine tote Katze und einen toten jungen Fuchs später kamen wir am Checkpoint in Pfäffikon an, als sich im Osten
erstes Tageslicht zeigte und die Vögel zu zwitschern begannen. Das Checkpoint-Personal hielt sich mit Bier wach und laberte entsprechend viel Mist, so dass es uns nicht schwer fiel, diesen öden Ort raschmöglichst hinter uns zu lassen. Es gab lampige Sandwiches und Verofit.
M:
Vor und nach dem Schlafen beobachtete ich noch ein bisschen die RAMM Jungs. Irgendwie schon irre was die für einen Aufwand treiben.
Um 2.15h stiegen wir wieder aufs Rad und traten erneut in die Pedale. Ab und an überholte uns ein Auto und ich fragte mich was die wohl dachten.
Was hätte ich gedacht wenn ich vor 10 Jahren auf dem Nachhauseweg vom Ausgang morgens um 3.00h ein paar Typen mit Leuchtwesten und Batterielichter auf dem Rennrad getroffen hätte?
Keine Diskussionen gab es mehr bezüglich der weiteren Streckenführung. Alle waren sich klar darüber, dass man den Kerenzer auslassen und über den Walenseeradweg fahren würde. Den Weg kannten wir ja bestens.
Der Rest dieser Etappe verlief relativ unspektakulär. Als wir in Pfäffikon ankamen zwitscherten bereits die Vögel von den Dächern und die Jungs am Checkpoint ihr letztes Bier.
Nach kurzer Pause ging es weiter.
V:
Naja von schlafen war keine Rede, eher von Wärmedeckengeraschel und Staubsaugeratmern und Taschenlampenzündern und sowieso. Nach einem Kaffee gings los in die finstere Nacht, nicht über den Kerenzer sondern unten durch. Die Lampen von R und M zündeten sehr gut und so zog ich es vor hinten zu fahren. Die Nacht war ruhig und schön und das velölen
war einmal mehr wie meditieren, das hab ich gern. Weniger gern habe ich Menschen die angetrunken am Checkpoint stehen und labern und labern und labern und nicht merken, dass es niemanden interessiert und sie einem nerven. Darum gings dann auch bald weiter.
N:
Zu Spaghetti bin ich auch noch gekommen. Leider nicht in Santa Cruz, umgeben von stinken Plastikhemden, sondern frisch gebadet und mit nem Ponstan in der Birne, zuhause im Amasis.
7. Etappe: Pfäffikon – Emmenbrücke
R:
M und ich kannten die restliche Strecke bis Ittigen und wir wussten, was uns erwartete.
Der Aufstieg bei Wollerau hatte zwei giftige Passagen. V und M entschieden sich, die steilsten Stellen zu stossen, ich trat die erste Stelle durch, schob dann aber die letzten 200 Meter bis zur Hauptstrasse nach Schindellegi, wo sich mir Zeit bot, den Sonnenaufgang zu fotografieren und die Aussicht auf den Zürichsee zu geniessen. Die Müdigkeit war
wieder da, es war frisch und mein warmes Bett zu Hause in Zürich nur gerade 30km entfernt. „Aber nein, wir wollten das ja so. Jetzt nach Menzingen hochquälen, dann runter nach Zug, den langweiligen Zugersee entlang nach Arth, dann alles wieder hoch und dann nach Emmenbrücke, die langweilige Strecke nach Sursee, die stetige Steigung bis Huttwil,
dann das mühsame Emmental, hoch nach Affoltern, das ewige Krauchtal... verdammt!“ An diesem Punkt war es definitiv ein Nachteil, die Strecke zu kennen.
Während ich auf M und V wartete, überholte mich der Dieter, den wir dann oben am Ende der Steigung nach Menzingen wieder trafen. Er wartete auf seinen Partner, den wir aber glaubten, nie gesehen zu haben und rumwitzelten, dass das ein immaginärer Partner sein musste. Unterdessen haben
ich den den Bericht von Adi dem (immaginären) Partner im Kuhmuster-Jersey gelesen > http://www.justadi.ch/berichte/radmarathon2009.html < Die haben uns sogar noch geknipst beim Aufstieg. V kämpfte sich mit dem Eingänger tapfer hoch nach Menzingen und wir setzten an zu einer rasanten Abfahrt nach Zug und hinein in den Nebel. Die Fahrt um den
Zugersee war wie erwartet langweilig und lediglich ein Abspulen von Kilometern. Arth sucks, ich war dieses Jahr bereits dreimal dort. Kein schöner Ort. Wir wussten, dass bald eine Tankstelle mit Bistro am Wegesrand lag, um Espresso und Cola zu tanken. Auf der Rigi-Seite des Zugersees kam dann die Sonne und M erzählte, dass die altgedienten
Randonneure in den Blogs meinten, dass mit der Sonne auch die Energie zurückkehre. Und siehe da, es stimmte. Ein einsames Rennrad mit Pack am Wegesrand wies auf einen anderen 600er Randonneur hin, der auf einem Fels in der Morgensonne genüsslich eine Zigarette runtersog. Die Sorte Randonneure ist mir wesentlich sympathischer als die Gelfresser.
Kurz nach der Hohlen Gasse erreichten wir dann die Tankstelle. Innen total verraucht und entsprechend graue Gesichter auf den Barsesseln. Wir setzten uns draussen hin. Meinen Espresso leerte ich dann sauber übern Tisch. Natürlich gab ich dem wackligen Tisch und dem schrägen Untergrund die Schuld, in Wahrheit aber war ich wohl ziemlich ausgepowert
und zittrig. How ever, das nette Personal machte mir einen neuen und ich schlüfte ihn, während wir amüsiert beobachteten, wie ein Mami den viel zu grossen SUV mit der Waschlanze abspritzte. Erst unten rum, dann die Türen und zum Schluss das Dach. Logo. Gestärkt und gezuckert ging’s Richtung Emmenbrücke. Dort angekommen merkten wir, dass es nicht
mehr gut ist, wenn man sich setzt oder gar hinlegt. Die Müdigkeit übermannte einen unmittelbar. M wies uns schon vor Wochen darauf hin, dass es am Checkpoint Emmenbrücke TamTam geben würde. Der Gedanke begeisterte und motivierte uns. Als ich dann das TamTam endlich in den Händen hielt hatte ich überhaupt keine Lust darauf. Trotzdem würgte ich ein
halbes runter – wegen der wochenlangen Vorfreude - zusammen mit einem lampigen Sandwich. Ich füllte den Bidon zur Hälfte mit Verofit und füllte mit Wasser auf.
M:
Schon bald nach Pfäffikon kam der Aufstieg von Wollerau nach Schindelegi. Mit frischen Beinen kein Problem. Jetzt sah es anders aus. Ich entschloss mich die allzu steilen Stellen zu laufen, da wir noch einige Kilometer vor uns hatten.
Beim Aufstieg fiel mir ein Randonneur auf, welcher sich an den Tisch einer Grillstelle bei den Wohnsiedlungen in Wollerau gesetzt hatte um zu pennen.
Das sah sehr lustig aus.
Alles was jetzt noch kam war mir ein Grauss. Die Auffahrt von Wollerau nach Menzingen und die Abfahrt zum Zugersee wäre als alleinige Etappe noch ok. Aber um den Zugersee über Arth dann nach…
Ich muss es nicht nochmals wiederholen. R hat es oben schon beschrieben. Es war mir bewusst, dass es ab Menzingen definitiv hart werden würde. Schliesslich hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 400Km in den Beinen.
Augen zu und durch!
V:
Den Aufstieg nach Schindellegi kannte ich, den hab ich schon mal getreten und darum hatte ich schon ziemlich Respekt diesen nach 400 km in Angriff zu nehmen. Es ging dann aber viel besser als erwartet, mit einigen Schiebepassagen, und schlussendlich war ich fast erstaunt schon oben zu sein. Die Traverse oben durch vom Zürich- zum Zugersee ist
landschaftlich sehr schön, doch geht’s auch ein wenig bergauf und meine Power war nicht mehr so wie auch schon. M und R zogen davon und warteten dann oben ganz schön brav vor der Abfahrt nach Zug. Dem See entlang gings dann im Nebel, aber nicht wie erwartet kühl sondern schon relativ warm. An einer Tanke haben wir 'nen Boxenstopp gemacht und
jetteten dann weiter nach Emmenbrücke.
N:
Bier und Ponstan vertragen sich ausgezeichnet. Ich habe weder vom Kerenzerberg noch von der Schindellegi geträumt, sondern verdammt gut und tief geschlafen.

Solche Bilder sahen wir früher nur auf dem Nachhauseweg vom Ausgang ...

... und die Velos und Handgelenke fuhren wir dabei im Delirium an
irgendwelchen Randsteinen zu schrott ...

... heute ist das anders: wir kotzen wegen der Anstrengung.
8. Etappe: Emmenbrücke – Affoltern a.A.
R:
Ich merkte, dass ich im Sattel soweit fit und aufmerksam war, die Beine radelten von selber. Sobald ich aber vom Renner stieg wurden die Beine tonnenschwer und ich wollte nichts als liegen und mich ausruhen. Der Lenker ruckelte beim freihändig fahren seit einigen Kilometern und ich tippte auf zu wenig Reifendruck. Erstaunt pumpte ich vorne und
hinten jeweils über 3 bar nach und alles rollte wieder bessern. Die Sonne brannte bereits heiss und erbarmungslos vom Vormittagshimmel und wir wollten alle nur noch so rasch als möglich am Ziel ankommmen. Die Strecke nach Sursee und weiter nach Huttwil war sehr öde und wir kämpften mit der Hitze, der Müdigkeit, dem Verkehr, dem schmerzenden
Hinterteil. Der kurze Aufstieg nach Affoltern a.A. zehrte enorm an meinen Reserven und oben angekommen musste ich erst mal den Kopf zwei Minuten lang unter den kalten Wasserhahn halten, damit ich nicht kippte. Danach gab’s das beste Joghurt meines Lebens! Und auch der Emmentaler Käse schmeckte gut wie selten. Übrigens gab’s keine lampigen
Sandwiches und das Verofit kam aus gekühlten, sich stetig umrührenden Tanks. Zur selben Zeit kamen einige RAAM-Boys beim Checkpoint vorbei, die alle bereits auf der 110er-Zusatzrunde waren. Schon lustig zu schauen, wie ein Begleitfahrzeug mit einem vierköpfigen Team mit extra für diesen Anlass bedruckten T-Shirts bereitstand. Einer ging mit dem
Roadbook zum Checkpoint, der andere füllte die Bidons auf, ein Dritter massierte die Athletenwaden und der Vierte löffelte ihm das Joghurt rein. Es gab sogar Begleitfahrzeuge mit extra Sirenen auf dem Dach und mehreren Rädern, fürs Flache und fürn Berg. Ist das nicht verdammt cool?
M:
TamTam! Ich wusste vom Studium des Speiseplans schon, dass es hier TamTam gibt. Ich oute mich hier mal. Ich bin seit meiner Kindheit TamTam Fan.
Nachdem ich meine TamTam (Caramel) verspiesen hatte, legte ich mich auf einen Steinbank im Schatten, etwas abseits des Eingangs des Checkpoints.
Keine Ahnung wie lange ich da gelegen hatte, aber mit einem Ruck erwachte ich und sah, dass V und R schon fast fertig für die Weiterfahrt waren. Sie hinzulegen war definitiv keine gute Idee.
Nachdem ich noch schnell meine Pringles-Packung auf den Vorplatz des Checkpoints geschüttet habe. Bin auch ich bereit fürs weiterfahren.
Treten, Treten, Treten.
Nach einiger Zeit kamen wir zum letzten Aufstieg nach Affoltern.
Oben angekommen gab es Brot, Käse und Joghurt.
Normalerweise esse ich keinen Emmentaler. Aber das hier war definitiv etwas vom Leckersten, was ich je gegessen habe.
V:
Nun lag der Aufstieg nach Affoltern vor uns. Irgendwie war ich froh wieder bergauf zu fahren, das passte mir besser als diese Flachetappen. Die Steigungen empfand ich als wiederum sehr angenehm, nicht zu steil so dass ich gut mit dem einen Gang fahren konnte. Was langsam eher unangenehm wurde war die ewige Sitzerei und mein immer roter werdendes
Hinterteil. Wohl auch darum war ich froh bergauf zu fahren, weil ich dann eine andere Sitzposition hatte. Oben in Affoltern gabs dann feines Joghurt und einige Szenen von den RAAM Qualifikanten.
N:
Den Samstagsbrunch genoss ich auf der Sonnenterasse. Das Knie hat sich schnell schon recht gut erholt, trotzdem bin ich froh, nicht weitergefahren zu sein. Hätte wohl ne ziemlich üble Quälerei gegeben. In Buchs wartet der Turbo.
9. Etappe: Affoltern a.A. – Ittigen
R:
Bei der rasanten Abfahrt nach Hasle machte ich dann den Praxis-Vergleich von Randonneur mit Stahlrahmen vs. RAAM-Profi mit Carbon-Ross. Es war kein Problem, da dran zu bleiben. Bis es wieder geradeaus ging... Das Krauchtal ist sehr schön. Normalerweise. Diesmal war’s einfach nur mühsam. V.a. im Wissen, dass der schnellste Weg nach Ittigen um
einiges kürzer wäre. Wir fuhren eine Extra-Schlaufe was mich total nervte. Ich wollte nur noch ins Ziel, jetzt, sofort. Wir kämpften uns durch viel Verkehr, vorbei an Hornussen spielenden Teams. Die grösste Frustration auf dieser Etappe war aber das Mami auf dem Flyer-Velo, das mich abwärts tretend überholte. „Blöde Kuh“ dachte ich, „wenn du
wüsstest, dass wir bereits 550km in den Beinen haben, hättest du mehr Respekt und würdest uns nicht überholen..:“ Ich war am Ende. Am letzten Checkpoint gab’s dann lampige Sandwiches und Verofit. Ich begnügte mich mit einer halben Banane, als gerade einer der letzten RAAM-Absolventen mit groben Tattoos und einem unverständlichen Ostdeutschen
Dialekt reinhetzte. Er erzählte was von wegen verfahren und Stunden verloren etc. aber wir schnitten die Story nicht ganz mit. Mein Kopf glühte, trotz Sonnencrème.
M:
Auf der Abfahrt liessen wir es rollen. R hängte sich an einen RAAM-Qualifikanten aus Wien. Was dessen Begleiter wahrscheinlich nicht ganz so witzig fanden wie R.
Ich fands auf jedenfall witzig. Wäre ich nicht mit Lenken beschäftigt gewesen, hätte ich nur allzu gern ein Bildchen geschossen.
Das Krauchtal war auf dieser Etappe noch das Beste. Wirklich ein sehr schönes Stück Landstrasse. Die Hitze wurde allerdings immer unerträglicher. Bei der Abfahrt in Richtung Ittigen sahen wir einen Randonneur unter einem Kirschenbaum schlafen. Einer der die 110er Runde absolvierte. Verdammte Memme!
Und dann kam Sie. Die Flyer-Mama. Jeder dachte sich das seine, und wären wir auf dem Weg zum Einkaufen gewesen, hätten wir uns wahrscheinlich auf ein Duell eingelassen. Aber so? Nein Danke.
Ein paar Kilometer weiter kam dann wieder ein Radmarathon-Wegweiser. Dann noch einer. „100m Checkpoint“ stand drauf. Und R knallt mit 30 Sachen daran vorbei. Ich sehe nur noch die Jungs mit ihrem Begleitfahrzeug, welchen ich immer zuwinkte. Doch R ist schon vorbei. Raus aus dem Sattel und hinter her. Lauter Pfiff! Er schaut zurück. Ich brülle ihm
nach. Jetzt hat er’s bemerkt.
Das wäre eine schöne Bescherung gewesen: „Sie haben den letzten Checkpoint verpasst! Sie müssen 40 km zurück und abstempeln“
„Wie lange sind bei dir 100m?“, frag ich ihn. Mein Tonfall und seine Reaktion lassen darauf schliessen, dass wir alle hundemüde sind.
Eher passiv horchen wir den Schilderungen eines RAAM-Qualifikanten. Ich persönlich hab kein Wort verstanden.
V:
Es folgte eine längere Abfahrt, bei der ich froh gewesen wäre um einen oder zwei oder sogar drei weitere Gänge um Tempo zu machen auf der Abfahrt. Doch mit einer Übersetzung von 47 x 18 ist bei 36 Stundenkilometern einfach Schluss mit spulen. Die Neigung war grad so dass ich ab und zu treten musste und nicht einfach rollen konnte, das war gar
nicht angenehm und mein Hinterteil war auch nicht angenehm. Teilweise konnte ich das Tempo von R und M halten, oft aber auch nicht und so schlenderte ich den beiden hinterher.
N:
Buchs - Zürich - Olten - Wangen mit der Eisenbahn, zudem noch ne Tageskarte für das Velo erstehen. Das war schon nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Shit happens!
10. Etappe: Ittigen – Wangen a.A.
R:
Die letzten 40 Kilometer. Wir wussten, dass wir es schaffen. In einer für unsere Verhältnisse sehr guten Zeit, die gut eine Stunde vor dem Zeitplan war. Die Etappe startete gleich zu Beginn mit einer 90Hm-Steigung, welche der nette ältere Herr vom Checkpoint als „kurze Steigung“ ankündigte. „Blöder Sack“ fuhr es mir unterwegs durch den Kopf, denn
sie schien nicht enden zu wollen. Was dann folgte war eine wirklich grauslige Strecke raus aus Bern, bis zur IKEA. Schnellstrasse, Gegenwind, unbarmherzige Sonne. Anschliessend durch ein paar lauschige kleine Weiler, deren Schönheit mir sowas von egal war, ich wollte nur noch zurück und durch diesen aufgeblasenen Zielbogen fahren. Ich zählte die
Kilometer auf meinem Tacho in Zehntelsschritten ab und mein Knie, das schon seit Sursee ein bisschen ausstrahlte, tat jetzt richtig weh. Und endlich, da war sie, die Ortstafel von Wangen a.A. Noch ein paar Kurven und wir sahen das Zielgelände. Schnell durch den Bogen fahren, die Schlusszeit elektronisch erfassen, Schuhe und Tights ausziehen und
hinlegen. Ich haute mich in den 40cm-Schattenstreifen, den mein Auto in die Wiese warf, leerte mir den restlichen Bidoninhalt über den Kopf und wartete, bis das Schwindelgefühl abklang. Mein Schädel brannte wie ein Raclette-Ofen und ich konnte es nicht abstellen.
Kurz darauf traf N ein und wir stemmten ein Bier, dann noch eins und eine lampige Bratwurst. Geschafft!
M:
Danach kommen die härtesten 40Km meines Lebens. Ich will nur noch, dass es vorbei ist. Schmerzen hab ich keine, aber die mittleren Zehen auf beiden Seiten sind mir eingeschlafen. Es ist heiss, und tüppig und ich bin hundemüde.
Alle 1000m schütte ich mir Wasser aus dem Bidon auf den Kopf. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man das nicht tun sollte. Das Wasser rinnt den Rücken runter und sammelt sich dort wo man drauf sitzt, was zu weiteren Problemen führt. Ist mir zurzeit aber egal.
Schwierig ist es nicht mehr, es geht einfach darum zu treten. Der Gegenwind macht es auch nicht einfacher. Wann ist es endlich vorbei?
Alles was ich noch will ist ein Bier und eine Bratwurst.
Dann endlich. Wir sind schon fast da. Nur noch durch den Kreisel. Dann sehen wir auch schon die Zieleinfahrt, die aussieht wie ein Gumpischloss am Dorffest. Die Einfahrt ist ziemlich unspektakulär. Irgendwie realisier ich erst gar nicht das es jetzt vorbei ist.
20 Minuten später sitz ich vor meinem Bier und meiner Bratwurst.
Endlich!
V:
Nun haben wir es schon fast geschafft, 40 km sind ja nix im Vergleich zur bereits gefahrenen Strecke. Trotzdem nochmals pedalen, Sitzposition wechseln, pedalen, Sitzposition wechseln und nochmals und nochmals. Irgendwann dann kam das Schild, dass es nach Wangen noch 6 km sind. R und M haben mich etwas abgehängt und so mobilisierte ich all meine
Kräfte zum Schlussschuss. Schliesslich wollte ich mit den beiden durchs Ziel fahren und nicht alleine so trat ich in die Pedalen, so wie die das bei der TdF auch machen wenn sie Rückstand haben und holte die beiden auch ein. Das tat sehr gut. Die Zielankunft war dann aber nicht grad spektakulär, kein Speaker, kein Empfang na ja da habe ich schon
etwas mehr erwartet.
Nach Dusche und Bratwurst und Bier mit N wollte ich mich etwas hinlegen. Nach kurzer Zeit stand Ann, meine Frau, vor dem Zelt und gratulierte zum Erfolg! Was für eine Überraschung! Auch Albert und Nik aus Berlin sind extra gekommen und bei einem weiteren Bier wurde gefeiert, auch wenn ich nicht wirklich in der Lage war bei klarem Verstand daran
teilzunehmen. Schön wars trotzdem und gefreut habe ich mich riesig über die vollbrachte Tat! Es folgt bestimmt ein zweiter Streich.
N:
Schau an, die Herren M, V, und R sind schon angekommen. Hut ab! Das ging aber rassig! Ich freu mich sehr für die drei, dass sie die Sache durchgestanden haben. Und das erst noch in ner ganz anständigen Zeit von gut 33 Stunden. Dem Singlevit V ist ein ganz spezielles Kränzchen zu winden: 600 Kilometer und 4'000 Höhenmeter mit einem Zahnkränzchen zu
absolvieren, jo servus!
Bratwurscht essen, Diplome begutachten, Bierli trinken, Käseteilet, Zeltabbrechen, und ab nach Bern. Schön war’s. Leider war es nur ein halber Erfolg. Sind wir mal gespannt, ob weitere Abenteuer in dieser Form folgen werden. Amen.

M, V, N & R - parat für weitere Abenteuer.
Komplette Strecke:


